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Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an?

Endlich kann ich mich dazu durchringen, diesen Beitrag zu schreiben. Es hat jetzt ein Jahr gebraucht, aber es hat geklappt.



Im Oktober 2016 trennte ich mich von meinem jetzigen Ex-Freund



Es war die richtige Entscheidung.
Das weiß ich jetzt.
Nach 5 1/2 Jahren Beziehung.
Eine sehr, sehr lange Zeit.

Um es euch besser zu erläutern, wie ich mich nach der Trennung mit Liebeskummer fühlte, hangel ich mich gerne an den „Liebeskummer-Phasen“ entlang:

1. die erste Vorahnung

Die Ahnung, dass ich mich trennen möchte, kam in der Zeit, als ich nebenberuflich studierte. Also in den „letzten“ 1 1/2 Jahren in der Beziehung. Eine sehr lange Zeit. Es ist auch ein schleichender Prozess. Ich sammelte immer kleine Bausteine der Erkenntnis der Trennung.

Wieso will er lieber fernsehen, als etwas mit mir zu machen? Wieso will er lieber etwas mit seinem Bruder oder mit seiner Mutter was unternehmen als mit mir? Oder lieber mit denen das unternehmen, was ich mir für uns beide plante?

2. Erstarrung

Als der Gedanke endlich ausgesprochen wurde:

„Ich habe nachgedacht… über uns.“

überkamen mich dutzende Gefühle. Das beherrschende Gefühl: Erstarrt sein.

Ich war erstarrt. Es fühlte sich wie der erste Schwall kaltes Wasser an, der aus der Dusche kommt. Mein Körper zuckte unwillkürlich zusammen. Ganz grausig. Dazu das entsetzte Gesicht meines Ex-Freundes. Wir beide konnten nicht glauben, was ich da sagte. Vor allem ich nicht. Dass ich es endlich „wagte“ zu sagen, was ich wirklich wollte. Und was eben nicht.

3. Aktivismus

Danach wurde ich aktiv. Vielleicht übertrieben aktiv. Übereilt. Aber in der Zeit war es einfach das richtige für mich. Ich kündigte die Wohnung. Packte seine Habseligkeiten zusammen. Verkaufte / verschenkte die nicht mehr benötigten Dinge. Organisierte Umzugshelfer. Packte alles zusammen. Renovierte die Wohnung. Mir war plötzlich bewusst, was wichtig war und was mir (in dieser Phase) „gut“ zu tun schien. Ich wollte Ablenkung. Nicht über die Situation, die ich ja selbst herbeiführte, nachdenken. Hauptsache, ich hatte was zu tun.

4. Eingeständis

Nach den ersten 3 Monaten – also in der Zeit, in der ich die alte Wohnung „fit“ für den Nachmieter machte und die neue Wohnung für mich vorbereitete – gestand ich mir ein:

Es war das Richtige. Das einzig Richtige.

Ich überlegte, ob es eine elegantere Weise für eine Trennung gegeben hätte oder nicht. Aber sowas ist immer eine sehr, sehr persönliche Entscheidung, wie man sich nun trennt. Im Moment der Trennung denkt man nicht an die „richtige“ Lösung. Es passiert einfach.

Diese Überlegung machte den Weg frei für ein Gefühl, von welchem ich mir nicht im klaren war, dass ich es vorbeischauen würde:

5. Wut

Auf mich selbst. Auf ihn. Auf alles und jeden. Auf niemanden. Ich war richtig zornig. Wollte ausbrechen. Wollte Ruhe haben. Jeder hatte einen Rat. Ich brauchte in der Zeit keinen Rat. Brauchte Ruhe und Frieden. Und Zeit für mich. Um mich auszutoben, herumzuschreien, wie ein kleines Kind. Aber auch etwas zu tun zu haben. So viele Emotionen. Ist mir erst jetzt bewusst, wie man so reagieren kann, wenn man gerade eine Trennung durchlebt.

6. Akzeptanz / Verzweiflung

Hier habe ich zwei Möglichkeiten.

Beide trafen auf mich zu.

Über die Verzweiflung kam die Akzeptanz.

Wieso verzweifelt?

Ich zweifelte an meiner Entscheidung

War es wirklich das Richtige? Er war doch „mein Mann“. Habe ich wirklich alles gegeben? War ich Schuld am Ende unserer Beziehung? Wieso strengte ich mich nicht an? Wieso konnte ich unsere Beziehung nicht retten? Was ist mit MIR falsch?

Dann kam die Akzeptanz (+ späte[ere] Erkenntnis)

Ich tat das Richtige. Wir waren einfach nicht füreinander geschaffen. Wir waren auf verschiedenen Ebenen, die verschiedene Bedürfnisse benötigten. Er brauchte jemanden, der ich nicht werden konnte. Und wollte.

Ich fühlte mich befreit. Ich konnte ich selbst sein.

Tat das, was mir gut tat, was ich wollte.

Bin jetzt endlich diejenige, die ich sein will. Die ich während der Beziehung sein wollte.


Das Album „alles nix konkretes“ der Kölner Band AnnenMayKantereit hat sich als Soundtrack meiner Trennung etabliert. Dieses Zitat aus dem Lied hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt:

 

Und eigentlich sind wir schon viel zu lange zusammenUm jetzt damit aufhörenAber das ist 'n verdammt beschissener Grund (1)

Das sagte mir meine Schwester, nachdem die Trennung gerade frisch war. Dadurch kam ich auf dieses Album. Hörte es nonstop. 24/7.

Es hat mir geholfen. Auf eine seltsame Art, kann es nicht wirklich beschreiben. Das kennt jeder, glaub ich. Jeder hat so eine Phase. In jedem Herz-Schmerz-Lied eines Sängers / einer Band die eigenen Erfahrungen hineininterpretieren. Das geht ganz gut während einer Zeit, in der die eigenen Gefühle verrückt spielen.



 

Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an-

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Hoffentlich konnte ich euch ein paar Eindrücke vermitteln, wie es so sein kann mit der guten alten Trennung.

Sie hat nämlich Geduld.

Wenn sie aber kommt, kommt sie hart und unvermittelt.

Wie sind eure Erfahrungen?
Was habt ihr erlebt?
Was ist euer Soundtrack?

eure tiffeck…