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Zu viel Zeit verwenden – geht das?

Ach, die wunderbare Zeit. Mit 18 dachte ich, ich hätte genug davon, ich kann alles erreichen, die Welt steht einem offen.

Jetzt, zehn Jahre später, weiß ich, was alles auf dem Weg zur Erfüllung seiner Träume schief gehen kann.
Die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ging mir glatt von der Hand, machte mir Spaß. Danach dachte ich, der Wunsch meiner Eltern, ein Studium abzuschließen, wäre auch mein Wunsch. Deswegen entschied ich mich für ein nebenberufliches Studium, mit dem Hauptfach Personalmanagement.

Das war der schwerwiegendste Fehler meines Lebens! 

Zwei Jahre gingen ins Land. Die ganze Studienzeit über hatte ich das Gefühl, nicht ich hätte über meine Weiterbildung entschieden, sondern die Wunschträume meiner Eltern. Ihre Träume wurden zu meinen. Dieser Fehlglaube raubte mir zwei Jahre, die ich zur Erfüllung meiner eigentlichen Wünsche hätte gebrauchen können.

So eine Zeitverschwendung! Erst am Ende der Studienzeit während meiner Projektarbeit bemerkte ich, wie sehr ich doch dieses Studium nicht machen möchte. Erst dann wurde mir klar, wie abgeneigt ich dem doch bin. Einen Tag vor Abgabe der Projektarbeit bekam ich meine eigene innerliche Kernschmelze. Bis 12 Uhr nachts saß ich noch am Laptop, um fünf Uhr morgens klingelte wieder der Wecker. Kaum die Augen aufgeschlagen, kam die Erkenntnis:

„Ich packe es nicht. Habe es nie gepackt. Wollte es nicht packen.
Jetzt muss ich es Mama und Papa sagen.“

Kaum kam dieser Gedanke, schon weinte ich wie ein Schlosshund. Es hörte einfach nicht auf. Es traf mich wie ein Schlag, wie viel Zeit ich etwas auf etwas verwendet hatte, was ich gar nicht wollte. Jetzt musste ich auch noch meinen Eltern gestehen, dass ich das Studium nicht packen konnte. Auf deren Enttäuschung war ich nicht bereit. Ich konnte schon meine Enttäuschung mir gegenüber kaum ertragen, wie sollte ich mit ihren umgehen?

Ich konnte mich nicht zurückhalten, um 5:30 am Morgen musste ich unbedingt meine Eltern anrufen. Unter Tränen „unterhielt“ ich mich mit meinem Vater. Er verstand mich gar nicht, er gab mich verwirrt an meine Mutter weiter. Sie kam 30 Minuten später zu mir und blieb, bis ich vor Erschöpfung um 9:00 wieder einschlief. Selbst meine Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie sah, wie unglücklich mich das Studium doch machte. Das brach mir das Herz. Noch mehr. Die Erkenntnis in den Augen meiner Mutter, wie sehr ihr Wunsch mich ins Unglück
Beim Schreiben dieses Artikels laufen mir auch die Tränen. Die Enttäuschung ist immer noch nicht komplett überwunden…

Jetzt sehe ich diese Zeit als große Lektion für meine Zukunft.

Seitdem ich den Druck der Uni nicht mehr auf meinen Schultern spüre, fühle ich mich freier. Ich habe zwar keinen Abschluss, dafür habe ich meine Freiheit wieder. Ok, das hört sich echt pathetisch an. Damit kann ich aber leben. Denn wer will nicht wieder sein eigener Herr sein?

Seitdem las ich über 20 Bücher, begann verstärkt, mich dem Minimalismus zu beschäftigen, bin selbstbewusster geworden. Sehr verschiedene Felder taten sich auf, die mich interessierten. Verrückt, oder? Hätte nie gedacht, wie sehr mich das Beenden des Studiums befreite von einer Last, die ich bis dato gar nicht so stark verspürte.

Worauf verwendest du zu viel Zeit-

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Mein Fazit:

Auch wenn es deine Eltern sind oder Personen, die dir sehr nahe stehen:
Lasse dir nie, nie, nie irgendetwas aufzwingen, was dir am Ende als dein eigener Wille vorkommt. Dies müssen nämlich nicht deine „Tippgeber“ ausbaden, nämlich DU! Dein Leben gehört dir! Mach was daraus! 🙂

 

Ein Gedanke zu „Zu viel Zeit verwenden – geht das?“

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